CampGonon® 1993-2000

Gleichseitiges Dreieck mit Spitze zur Erde

CampGonon® 1993-2000

Im pythagoräischen Weltbild verkörpert das gleichseitige Dreieck Athene, die Göttin der Weisheit. Das mit der Spitze nach unten – zur Erde – zeigende Dreieck ist weiblich, Wasser, Yin, weist in die Dunkelheit einer Höhle, vermittelt Geborgenheit. Das Dreieck mit der Spitze nach oben – zum Himmel – ist Yang, männlich, Feuer. Eine Auflösung des Kontrastes erfolgt durch die Verflechtung beider Dreiecke, die die Vereinigung von Himmel und Erde bedeutet — die Vision von der ewigen Wiederkehr und vom Frieden.

Kreis und Halbkreis

In den meisten Kulturen symbolisiert der Kreis Ganzheit und Gleichzeitigkeit, Vollendung und die Vereinigung aller Gegensätze. Er ist das einfache Abbild aller sonnenähnlichen Gestirne. Der Halbkreis mit Öffnung nach unten ist dann die Sonne, die sich zur Erde hinwendet, die Sonnenenergie, die durch die Erde strömt, das Feuer, das in Symbiose mit dem Wasser brennt, ohne es zu verschmelzen.

CampGonon® 180°

Die nachhaltige Wirkung, die diese Skulptur auf den Betrachter ausübt, liegt wesentlich darin begründet, dass elementare Zahlen in ihr verarbeitet sind.

Dies sind die Grundzahlen 0, 1 und 8 und die zusammengesetzte Zahl 180.

180 Grad ist ein markantes Winkelmaß, dass schon in der alten Astronomie zur Beschreibung des Himmelsgewölbes eine große Rolle spielt. Die Astronomie ist die Wiege der Mathematik, entstanden in den Wüstenregionen des vorderen Orients.

Wird der Winkel von 0° auf 180° geöffnet so beschreibt ein Schenkel dieses Winkels den Halbkreis, Symbol für das Himmelsgewölbe und daraus abgeleitet auch für die Kuppelbauten islamischer Kulturen.

Als Sonnenbahn interpretiert, markiert der Zenit des Halbkreises in allen Regionen unseres Planeten die Mittagszeit.

Aus dem nichtlinearen Halbkreis, der auch die Bedeutung einer allumfassenden Mütterlichkeit hat, entsteht das aufrechte, gleichseitige Dreieck als lineares, männliches Element, indem man vom Zenit zwei Strahlen zu den Endpunkten der Horizontallinie zieht. Hier ist das gleichseitige Dreieck, dessen Winkelsumme ebenfalls nach der pythagoräisch-euklidischen Geometrie 180° beträgt, dem dominant-mütterlichen Halbkreis eingebettet. Das eingebettete gleichseitige Dreieck: auch ein Symbol für den von Müttern umsorgten, ja verwöhnten Sohn.

Doch erst die Idee der Künstlerin, dieses abhängige gleichseitige Dreieck um 180° zu drehen, so dass es mit der Spitze auf dem Erdboden stehend gleichberechtigt dem Halbkreis gegenübergestellt ist, verleiht der Skulptur die fast körperlich spürbare Spannung.

Davon kann sich der sensible Betrachter überzeugen, indem er sich frontal so vor das Kunstwerk setzt, dass seine Mittellinie mit der Linie vom Zenit des Halbkreises zur Spitze des Dreiecks übereinstimmt. Je länger er in dieser ruhenden Betrachtung verbleibt, desto intensiver werden symbolische Urformen und individuelle Wahrnehmungen verschmelzen.

Auch die einzelnen Grundzahlen, die wir als Geschenk der arabischen Kultur betrachten dürfen, haben ihre symbolische Aussagekraft. Nach dem Weltbürger Pythagoras (6. Jahrhundert vor Christus), im griechischen Samos geboren, jedoch mehr als die Hälfte seines Lebens in Ägypten und Babylon studierend, ist zuerst und zuletzt alles nach Zahlen geordnet.

Alle Konstruktionen entstehen aus zahlen und zerfallen wieder zu Zahlen. Dies mag auch für die Skulptur gelten, die bestimmt ist durch das Winkelmaß 180°. Als Grundzahlen bleiben dann übrig

1: Uranfang, Geburt

8: Oktave, Magische Zahl von Nebo (sumerisch), achte Buchstabengruppe des arabischen Alphabetes, das Ziel des Eingeweihten, nachdem er die Sieben Stufen der Meditation überwunden hat.

0: Leere und Unendlichkeit des Universums, in das sich alle Strukturen wieder auflösen, um im zeitlosen Meer der Elementarteilchen aufzugehen.

Dann ergibt sich

1-8-0: Der Weg eines jeden Individuums von seiner Geburt, über den Zenit des Lebens in das energievolle Vakuum des Kosmos.