Ausstellung Leipzig

Sechs Stahlplatten und fünf Stahlreifen entfächern vor unseren Augen eine Liegende. Auf einer Wiese ruhend, drückt sie sich in die Erde ein, um sich mit der Natur zu verbinden. Ihre gleichzeitige Leichtfüßigkeit und Variabilität verrät Blums spielerischen Umgang mit dem schweren Material. Die vergnügten Gefährten der Liegenden, zwei Stahlplatten auf Rollen, sind ihre treuesten Begleiter; sie weichen niemals von ihr. Aber hier muss Venus nicht Amor bändigen: Die aus zwei gleichen Elementen bestehenden Amoren sind eindeutig Teile von ihr; Wesenszeichen, durch die sich die große Figur im Raum ausdehnt. Die Liegende mit zwei Elementen pointiert Blums plastische Bestrebungen - die ausgewogene Balance von Rundungen und Geraden vermittelt einen ruhig und zugleich bewegten Zustand. Darüber hinaus erhellt die Arbeit eine zeitliche Ambivalenz: Durch ihre Massigkeit im Boden verankert, verharrt die Plastik einerseits im Augenblick, aus dem sie sich andererseits durch die Rollen, dem Fortbewegungs-Merkmal schlechthin, und die gesonderten Begleiter wieder erhebt. Eisen rostet nicht nur, Eisen schwebt.

Blums Zauberwald aus Metall wird durch Pümpels Farbregen ergänzt, herausgefordert und verwandelt. Während die linear strukturierten und klar umrissenen Skulpturen eher einem Gleichmaß der Frührenaissance nahe stehen, weisen Pümpels farbdurchtränkte Bilder mit fließenden Übergängen und Helldunkelkontrasten eine barocke Nuancierung auf. Die gemeinsame Schau zeigt allerdings, dass sich die Reibungen der zwei Werkgruppen harmonisch einlösen

Beide Künstler eint eine Vorliebe für Transparenz, die sie mit ihr bewusst entgegengesetzt gewählten Mitteln erzeugen: Während Blum trotz Holz und Stahl den Raum atmen lässt, erreicht Pümpel ungeachtet der Malschichten aus Eitempera, Öl, Kaffee und Schellack in seinen Bildern eine aquarellhafte Durchsichtigkeit.

Pümpels Gemälde Gelassen zeigt einen ruhenden Mann in einer Art eiförmiger Höhle, die sich aus oval angeordneten Pinselstrichflächen zusammensetzt. Der Sitzende stützt seine Unterarme auf die Beine, lässt die Hände schlaff herabfallen und blickt sinnend nach unten. Genauer betrachtet, drückt die gelassene Haltung sowohl Müdigkeit als auch waches Abwarten aus, worauf vor allem das rechte, aufgestellte Bein deutet. Der Bildtypus entspricht in der christlichen Ikonographie dem Thema des Christus in der Rast, d.h. des bereits Gepeinigten, der seiner Kreuzigung entgegensieht. Damit ließe sich, durch Verknüpfung unterschiedlicher Bildmotive, das Umfeld des Protagonisten auch als eine Mandorla verstehen. Pümpel, der seine Werke wochenlang überarbeitet, belässt Christus und seine Situation hier in einer Allgemeingültigkeit. Der Künstler bezieht sich häufig auf biblische Gescheh-nisse (gelegentlich auch auf mythologische), da er hier das ganze menschliche Spektrum von Liebe bis Drama vorfindet und es beim Betrachter als thematischen Bezugspunkt voraussetzen kann.

Ira Oppermann